20 Jahre Diakonisches Bildungszentrum Alfeld

(hst) Alfeld. So also fühlt es sich an, wieder zur Schule zu gehen… Ganz unvermittelt wurden die Gäste einer Jubiläumsveranstaltung zu Schülern im pflegerisch sozialen Bereich. Helgard Feldbinder, die Leiterin des Diakonischen Bildungszentrums Alfeld (DBZ), hatte Arbeitsblätter ausgehändigt mit der Aufgabe, „Empathisches Handeln im Betreuungs- und Pflegeprozess“ zu charakterisieren.
 
So waren die 150 Teilnehmer der Festveranstaltung im Alfelder Lutherhaus gleich mitten im Thema – inklusive des anschließenden Abfragens der Ergebnisse. Diese „Unterrichtsstunde“ lieferte einen anschaulichen Einblick in den Schulalltag des DBZ, das in Alfeld seit 20 Jahren Gesundheits- und Sozialberufe ausbildet und auch eine Zweigstelle in Hildesheim unterhält. Aktuell werden die Ausbildungsgänge Heilerziehungspflege, Altenpflege und Pflegeassistenz unterrichtet. 

Die Schülerinnen und Schüler des DBZ unterscheiden sich oft durch eine größere Lebenserfahrung von anderen „Pennälern“. Denn manche absolvieren bereits eine zweite Ausbildung, gehen einen neuen Weg in ihrem Leben. Oder sie machen das erste Mal einen Abschluss, nachdem sie ihre schulische Laufbahn unterbrechen mussten.

Dass sie temperamentvoll sein können, zeigten sie beim Trommeln südamerikanischer Rhythmen unter Leitung der Dozentin Prof. Nana Zeh. Kreativität wurde beim Theaterspiel deutlich: Der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit in Pflege- und Wohnheimen wurden kritisch und humorvoll dem Publikum vor Augen geführt. 

In seinem Festvortrag widmete sich Prof. Dr. Hans-Ulrich Ahlborn, selbst Dozent am DBZ, der Beobachtung der „Ichlinge“, der egoistischen Individuen der Erlebnisgesellschaft. „Die Individualisierung führt zu einer Orientierungslosigkeit“, so Prof. Dr. Ahlborn. Die Menschen mutierten vom „Genießer zum Nutznießer, vom Sein zum Haben wollen“. Dabei sei, das belege nicht zuletzt die Shell-Studie, die „Geborgenheit“ das erstrebenswerteste Ziel der Jugend. Gleichzeitig fehle es an Vorbildern und Dr. Ahlborn äußerte die Hoffnung, dass die Dozenten des DBZ dabei helfen könnten, Orientierung zu vermitteln.

Pastor Hagen Faust für den Trägerverein St. Elisabeth, Uwe Brinckmann als Erster Stadtrat Alfelds und Eggo Hafermann als ehemaliger Superintendent würdigten in ihren Ansprachen die Bedeutung der Schule für die pflegerische Versorgung der Region. Dagmar Schmidt von der Diakonischen Landeskirche Hannovers zeichnete Helgard Feldbinder mit dem Goldenen Kronenkreuz aus. Sie wurde für ihre langjährige Tätigkeit in der Diakonie geehrt. 

Anfang nächsten Jahres steht für das DBZ ein Umzug an: Verschiedene kleine Unterrichtsstätten und die Hauptstelle in der Kalandstraße werden in der ehemaligen Schulrat-Habermalz-Schule, der ursprünglichen Berufsschule, zusammengelegt. „Da sich die Schülerzahlen gut entwickelt haben, wurde die Vergrößerung notwendig“, so Helgard Feldbinder, die mit dem DBZ ein Einzugsgebiet von etwa 40 Kilometer um Alfeld mit Nachwuchs im Gesundheits- und Sozialbereich versorgt.